Priority bei RyanAir und meine erste AirBnB Erfahrung. Verrückt sagen die Einen, stressig sagen die Anderen. Ich sage beides und ergänze noch das Wort sehenswert. Auf meinem 48 Stunden Trip nach Troon im Bezirk Ayrshire in Schottland ging irgendwie vieles schief. Dennoch war es ein cooler Ausflug. Wieso? Das erfährst du jetzt!


Abfahrt – mit dem Zug zum Flughafen

Um 08:35 Uhr ging es mit der Regionalbahn von meiner Heimatstadt Zeitz in Richtung Leipzig. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und bietet nicht sonderlich viel Aufregendes. Ich nutzte die Zeit um noch mal alle Reiseunterlagen durchzugehen und mir einen Überblick über Umsteigezeiten etc. zu machen.

In Leipzig hatte ich knappe 15 Minuten Zeit zum Umsteigen. Bisher klappte alles perfekt. Ich liebe ICE fahren. Man bewegt sich so schnell und dennoch ist es eine sehr angenehme Geräuschkulisse. Die Fahrt von Leipzig nach Berlin-Südkreuz war in einer guten Stunde erledigt.
Mit der S-Bahn ging es dann in 30 Minuten zum Flughafen in Schönefeld. Da ich in der Hinsicht immer etwas vorsichtig bin, war ich schon 2 1/2 Stunden vor dem Abflug da. Puffer muss sein 😉

RyanAir auf dem Flughafen in Berlin Schönefeld.
Mein erstes Mal mit der irischen Fluggesellschaft RyanAir.

Der Flug nach Glasgow – Priority mit RyanAir

Meine Premiere! Sonst bin ich immer mit EasyJet geflogen. Diesmal sollte es also die irische Fluggesellschaft RyanAir sein. Da ich den Flug für den Spottpreis von ca. 19 Euro bekommen habe, wollte ich mir das Extra gönnen und als Priority Mitglied fliegen.

An sich ist das eine tolle Sache. Meinen Sitzplatz auf dem Hinflug habe ich am Notausgang in der Mitte des Flugzeugs gewählt. Dabei hat man soviel Beinfreiheit, dass ich locker meine Beine ausstrecken konnte. Ein Nachteil war allerdings, dass es keine Tische in dieser Sitzreihe gibt (der Notausgang muss frei bleiben) und man sein Handgepäck nicht unter den Sitz stellen darf (siehe Begründung oben).

Nach ungefähr zwei Stunden bin ich am Flughafen Glasgow angekommen. Wenn du ohne Koffer, sondern nur mit Handgepäck, reist, dauert der Check-Out nicht lange. Ich persönlich finde ja die schottischen Polizeibeamten, welche den Ausweis bei der Einreise kontrollieren, irgendwie immer freundlicher als die Deutschen. Vielleicht ist es aber auch nur Einbildung 😀

Mietwagen holen – oder doch nicht?

Der erste Schock traf mich als ich den Mietwagen holen wollte. Diesen hatte ich im Vorraus bezahlt und freute mich jetzt auf meine erste Fahrt im Linksverkehr. Vielleicht hätte ich mir die spezifischen Mietwagenbedingungen der Firma Keddy by Europcar vorher mal durchlesen sollen.

Das man eine Kaution hinterlegen muss, war mir klar. Mir war aber leider nicht klar, dass das nur mit Kreditkarte funktioniert. Da ich in Schottland bisher problemlos immer mit meiner EC Karte zurecht kam, habe ich leider auf meine Kreditkarte kein Geld geladen. Ein sehr dummer Fehler.

Jede Diskussion mit der, immer freundlichen, Mitarbeiterin am Schalter schlug fehl. Ich bot ihr Bargeld, die Zahlung mit EC Karte und auch die Daten einer anderen Kreditkarte, die ich nicht mit hatte, an. Nichts hat geholfen.

Somit stand ich am flughafen glasgow, hatte keinen mietwagen und einen termin im nacken.

Nach langem Überlegen, beschloss ich, erstmal zum Hauptbahnhof in die Innenstadt zu fahren. Für 7 Pfund für die Einzelfahrt fährt der Expressbus vom Flughafen in die Innenstadt. Wärend der Fahrt konnte ich bei Google Maps meine Möglichkeiten ausloten. Eigentlich musste ich nach Kilmarnock, da ich dort einen Termin mit meinem Großhändler für schottische Lebensmittel hatte. Andererseits saß mir der Check-In in meiner Unterkunft in Troon, Ayrshire im Nacken.

Ich rief als erstes in der Firma an, schilderte ihnen die Situation und wie sich herausstellte, war alles halb so wild. Man bot mir sogar an, mich am nächsten Morgen in Troon abzuholen und zur Firma zu fahren. Das wäre also geklärt. Puhh, Glück gehabt! 🙂

Im Bahnhof von Glasgow herrscht immer reges Treiben.
Im Bahnhof von Glasgow herrscht immer reges Treiben.

Glücklicherweise verkehren die Züge von Glasgow nach Ayr (Troon war dabei, glaube ich, der vorletzte Halt) sehr regelmäßig und nach einer Fahrzeit von knapp 40 Minuten kam ich in der kleinen Küstenstadt an.

Troon – Aussteigen und das Meer riechen

Als ich Troon erreichte, war ich schon ein wenig entspannter. Ich trat aus dem Zug und sofort stieg mir der Geruch des Meeres in die Nase. Dazu hörte ich noch Möwen aus der Ferne. Meine Stimmung hellte sich blitzartig auf.

Da meine Unterkunft im Hafen von Troon lag, war ich der Meinung, relativ schnell dort zu sein (da ich die Möwen ja schon hören konnte). Ich fragte zwei ältere Damen, wie ich am besten zum Hafen komme. Sie meinten, ich solle mir lieber ein Taxi nehmen, da man ungefähr 30 Minuten laufen müsse.

Ich entschied mich aber gegen das Taxi und für das Laufen. Konnte ich doch so die Stadt schon ein wenig erkunden und zusätzlich noch ganz entspannt an der Strandpromenade laufen um erste Fotos zu machen.

Gepflegter Rasen, und roter Backstein. Typisch schottische Häusersiedlung in Troon.
Gepflegter Rasen  und roter Backstein. Eine typisch schottische Häusersiedlung.

Nach kurzer Zeit war ich auch schon am Strand angekommen. Ein frischer Wind kam mir entgegen. Viele Leute waren nicht zu sehen. Vereinzelt spielte ein Hund am Strand oder ein älteres Ehepaar spazierte an der Promenade entlang.

Alles war sehr gepflegt. Auf dem Weg zum Hafen habe ich insgesamt drei Spielplätze für Kinder gesehen. Alle in einem sehr guten Zustand. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen mit meiner Familie hier den Urlaub zu verbringen.

Möwen waren meine ständigen Begleiter an der Promenade von Troon.
Möwen waren meine ständigen Begleiter.

Nach einer halben Stunde (meine Schulter tat schon weh, da meine Tasche doch schwerer war als gedacht…) kam ich am Yachthafen von Troon an.

„Im hafen findest du ein großes eisentor. Dort gibst du den code ein.“

David, der Vermieter meiner Unterkunft gab mir ausführliche Informationen, wie ich sein Schiff erreichen kann. Ich war dennoch erstmal skeptisch, hatte ich doch über AirBnB vorher noch nie gebucht.

Im Yachthafen von Troon lag mein Hotel vor Anker.
Im Yachthafen von Troon lag mein Hotel vor Anker.

Das Schiff – Schlafen auf dem Kutter

Nachdem ich das Tor gefunden und den Code eingegeben hatte, konnte ich den Hafen betreten. Ganz am Ende des Steges lag das Schiff von David. Eine Leiter brachte mich „auf Deck“. Ich konnte niemanden auf dem Schiff sehen und so klopfte ich einfach kurz an die kleine Holztür vor mir.

Ein älterer Mann trat heraus und begrüßte mich freundlich. Es war David. Er stellte mich kurz seiner Frau vor, eine Thailänderin. Kurz darauf hatte ich auch schon einen frischen Kaffee und leckere Plätzchen vor mir stehen. In unserem Gespräch stellte sich heraus, dass sie eigentlich in Thailand leben und von April bis Oktober das Schiff vermieten.

Diese Leiter war der Eingang zu David´s Schiff in Troon.
Diese Leiter war der Eingang zu David´s Schiff in Troon.

David hat das Schiff großzügig umgebaut. Oben gibt es zwei Doppelzimmer. Unter Deck sind zwei Einzelzimmer. Dabei war er so freundlich und gab mir ein Doppelzimmer, obwohl ich nur ein Einzelzimmer gebucht hatte. Einfach aus dem Grund, weil noch ein Doppelzimmer frei war.

Der Aufenthaltsraum im Schiff ist sehr gemütlich.
Der Aufenthaltsraum im Schiff ist sehr gemütlich.
Die alte Brücke ist jetzt eine Bibliothek.
Die alte Brücke ist jetzt eine Bibliothek.

In der ehemaligen Brücke hat David eine kleine Bibliothek eingebaut. Im Lager hat er Frühstücks- und Aufenthaltsraum inklusive Kamin installiert. Einfach toll 🙂

Bier und Wasser gba es bei David im Kühlschrank für den schmalen Taler.
Bier und Wasser gba es bei David im Kühlschrank für den schmalen Taler.

Eine Toilette ist an Board, leider nur ein Campingklo. David bat mich, diese Toilette nur im Notfall zu benutzen (der Grund sollte auf der Hand liegen). Man konnte die Toiletten und Duschen im Hafenrestaurant nutzen. Diese waren in einem super Zustand und konnten auch nur mit dem Code betreten werden. Dadurch konnte man sich sicher sein, dass auch wirklich nur Gäste die Sanitäranlagen benutzen.

Auf dem Schiff gibt es auch ein Sonnendeck, insofern es mal Sonne gibt.
Auf dem Schiff gibt es auch ein Sonnendeck, insofern es mal Sonne gibt.

Die Zimmer – Schiefe Wände, tolles Feeling

Das Zimmer war zweckmäßig eingerichtet. Okay die Wände und der Fußboden waren schief, das trug aber auch zur tollen Atmosphäre bei. Steckdosen, ein Fernseher und Licht waren vorhanden. Ein Schrank für die Sachen war auch an Board. Die Türen hatten kein Schloss, laut David ist es aber so sicher, wie es in einem, von einem großen Eisentor verschlossenen, privaten Yachthafen nur sein kann.

David bot mir ein Abendbrot an (seine Frau scheint sehr gut thailändisch zu kochen, jedenfalls roch es phänomenal). Ich lehnte aber höflich ab, da ich mich auf die Suche nach einem Pub machen und noch ein wenig fotografieren wollte.

Troon – die Bürgersteige werden hochgeklappt

Das was ich von Troon gesehen habe, hat mir gut gefallen.
Das was ich von Troon gesehen habe, hat mir gut gefallen.

Man merkt der kleinen, 15.000 Einwohner, Stadt Troon im Bezirk Ayrshire an, dass es eine Kleinstadt ist. Ich war durch die ganzen Verzögerungen erst spät aufgebrochen. Nun war es 20:15 Uhr und es waren fast keine Menschen mehr auf der Straße. Pub´s gab es genug, nur entweder hatten sie schon zu oder die Küche hatte schon geschlossen.

Im McKays bin ich glücklicherweise fündig geworden.
Im McKays bin ich glücklicherweise fündig geworden.

Dann bin ich doch noch fündig geworden. Das Mc Kays war perfekt. Es gab einen tollen Biergarten. Da ich nebenbei aber noch ein wenig Fußball schauen wollte, habe ich mich dazu entschlossen, drinnen zu bleiben. So wie es sich gehört, gab es Haggis und ein Belhaven Best für mich. Wenn ich schon in Schottland bin, möchte ich auch schottisch Essen 😉

Fotografieren an der Küste

Nach einer kurzen Unterhaltung mit der sehr freundlichen Bedinung habe ich mich wieder auf den Weg in Richtung Strand gemacht. Ich wollte ja die Zeit nutzen und noch ein wenig fotografieren. Dabei sind ein paar schöne Motive entstanden.

Am Strand von Troon fanden sich wunderbare Motive zum fotografieren.
Am Strand von Troon fanden sich wunderbare Motive zum fotografieren.

Durch den niedrigen Wasserstand konnte ich über ein paar Felsen klettern und relativ weit in das Meer hinein gehen. Von dort aus gab auch die Küste ein schönes Bild ab.

In Troon war es sehr lang hell und es blieb genug Zeit um ein paar Fotos zu machen.
In Troon war es sehr lang hell und es blieb genug Zeit um ein paar Fotos zu machen.

Großhändler und Abflug

Am nächsten Tag bekam ich von David´s Frau ein tolles schottisches Frühstück. Statt der vereinbarten 6,50 Pfund wollte er am Ende nur 5 Pfund für das komplette Frühstück inkl. Kaffee und Saft. Ein toller Gastgeber. Wir tauschten uns noch einen Moment aus, kurz darauf wurde ich auch schon von meinem Großhändler abgeholt.

Dabei wurde mir die komplette Fabrik gezeigt, inklusive einer kleinen Verkostung verschiedener schottischer Produkte. Bei ein wenig „Small-Talk“ mit etwas Porridge und Kaffe konnten wir uns über unsere weitere Zusammenarbeit austauschen. Danach wurde ich auch schon zum Flughafen gebracht und musste das schöne Schottland nach nur zwei Tagen wieder verlassen.

Alles in allem war es ein schöner Ausflug, wenn auch einiges Schief gegangen ist. Troon ist eine tolle Stadt, welche ich mir in der Zukunft auf jeden Fall nochmal anschauen möchte. Dann bitte mit weniger Stress 😉


Warst du schonmal im Südwesten Schottland´s unterwegs? Schreib es mir doch mal in die Kommentare!

Ich fand die Gegend toll und würde mir beim nächsten Mal definitiv mehr Zeit nehmen um sie ausgiebiger zu erkunden.

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Tom
Schon früh bin ich durch meine Eltern auf das Reisen gekommen. Bis jetzt hat es mich meistens in den Norden Europas oder nach Großbritannien gezogen. Aber: Der Weg ist das Ziel. Somit bin ich immer für neue Länder aufgeschlossen und werde sehen, wohin der Weg führt.

3 Kommentare

  1. Hey Tom,

    puuuh, das kling echt ziemlich stressig – aber scheinbar hat es dir ja trotzdem gut gefallen 🙂
    Der Ort sieht auf jeden Fall richtig schön aus! Da ich nächste Woche nach Schottland fliege (2 Tage Edinburgh und dann 5 Tage mit dem Camper durch die Gegend), markiere ich ihn mir mal auf der Karte und schaue spontan, ob ich es dorthin auch noch schaffe 😉

    Schöne Grüße,
    Caro

    • Hallo Caro,

      ja das war es in der Tat. Irgendwie komme ich mir immer noch geschafft vor. Vielleicht liegt es aber auch nur am Fernweh 😀
      Ich fand ihn auch sehr schön, auch wenn ich leider nicht die Zeit hatte, ihn ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Auf jeden Fall gab es eine Menge kleiner Geschäfte, welche aber leider alle schon geschlossen hatten.
      Im Camper stelle ich mir auch sehr spannend vor. Das möchte ich auch gern mal machen. Hast du selbst einen?

      Liebe Grüße,
      Tom

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