Gestartet bei 25 Grad und kurzen Sachen, musste ich mich auf dem Gipfel mit 2 Grad, Eisregen und Wind auseinandersetzen. Warum die Wanderung auf den Ben More auf der Isle of Mull in Schottland dennoch ein gradnioses Erlebnis war, erzähle ich dir jetzt.


Die Isle of Mull und der Ben More

benmore isle of mull
Wir starten am Ufer des Loch na Keal.

Die Isle of Mull gehört zu den Inneren Hybrideninseln von Schottland und liegt vor der Nordwestküste der Insel. Auf der Insel leben ca. 2500 Menschen, davon allein 990 in der Hauptstadt Tobermory. Mull erreicht man am besten mit der Fähre von Oban. Die Insel ist touristisch sehr gut erschlossen und bietet die beste Anbindung zur Isle of Iona und zur kleinen, unbewohnten Insel Staffa.

Der Ben More ist der höchste Berg der Insel und zählt mit seinen 966 Metern zu der Kategorie der Munro´s (als Munro wird jeder Berg in Schottland bezeichnet, welcher mindestens eine Höhe von 914,40 Metern vorweisen kann). Der Ben More ist der einzige Munro der Isle of Mull.

Anfahrt und Aufstieg

Die Landschaft der Isle of Mull ist überragend und bietet eine Menge an Natur.

 

Als Aufstiegsroute wählen wir den „einfachsten“ Weg. Dieser startet am Ufer des Loch na Keal und führt über einen mäßigen Anstieg am Start innerhalb von 3 Stunden auf den Gipfel des Ben More.

Am Dhiseig Cottage starten wir unseren Weg. Dieser führt uns auf größtenteils unbefestigten Wegen über Wiesen und einem kleinen Bach, welcher vom Berg nach unten fließt, in Richtung des Ben More. Da wir im Hochsommer in Schottland waren, präsentierte sich die Landschaft in einem satten Grün, obwohl wir mal wieder Glück hatten und so gut wie keinen Regen abbekommen haben 🙂

Dhiseig cottage
Die Dhiseig Cottages kann man mieten und direkt vor dem Ben More wohnen.

Auf dem Weg nach oben passierten wir nach einiger Zeit eine Moorlandschaft, wo wir auch unsere erste Pause einlegten. Moore wirken auf mich immer ein wenig unheimlich. Glücklicherweise habe ich genug Sendungen „Ausgesetzt in der Wildnis“ mit Bear Grills gesehen um zu wissen, wie gefährlich ein Moor sein kann… 😉

Wie man im unteren Bild erkennt, kann die Tiefe eines solchen Moores auch täuschen. Den Stock haben wir auf 1,80 Meter ausgefahren und trotzdem nicht den Boden des Loches gespürt. Durch seine unauffällige Oberfläche fallen auch sehr oft Schafe in ein solches Moorloch und kommen nicht wieder heraus.
Solange du aber die Augen offen hälst und genau schaust in welchem Terrain du dich gerade befindest, kann nichts passieren.

benmore isle of mull
Mein Vater testet die Tiefe der Moorlöcher.

Auf dem Weg zum Gipfel gingen die Temperaturen doch merklich zurück. Starteten wir auf Meereshöhe bei ca. 25 Grad und Sonnenschein, war es langsam Zeit die langen Sachen rauszuholen. Umso näher wir dem Gipfel kamen, desto kälter wurde es.

benmore isle of mull
Der Gipfel des Ben More war nicht zu sehen. Eine dicke Wolkenschicht versperrte uns die Sicht.

Das letzte Drittel des Weges legt man auf einer Art Geröllfeld zurück. Ab dieser Höhe wächst keine Vegetation mehr auf dem Ben More. In unserem Fall konnte man nicht mal mehr den Gipfel sehen, da dieser von einer dicken Wolkenschicht verhangen war.
Die Steine des Ben More´s sind magnetisiert. Falls ihr also einen Kompass benutzt, könnte es damit Probleme geben. Meiner Meinung nach ist ein Kompass aber nicht nötig, da die Wege, vor allem im letzten Drittel, gut sichtbar sind.

Wir waren nun kurz vor dem Gipfel und mitten in den Wolken. Die Temperatur fiel weiter gegen Null, ein heftiger Wind wehte uns um die Ohren und zu allem Überfluss setzte zusätzlich Eisregen ein, der mir mitten ins Gesicht prasselte. Wir sahen jetzt mehr wie Polarforscher als Schottland Wanderer aus 😀

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Wenn der Vater mit dem Sohne… Nebel, Kälte, Eisregen und Wind trotzt.

Der Gipfel des Ben More

Trotz der wiedrigen Bedingungen schlugen wir uns bis zum Gipfel durch. Es trat genau das ein, was ich befürchtet hatte:

Durch die dicke Wolkendecke war praktisch nichts zu erkennen. Wir hatten eine Sichtweite von ca. 10 Meter, was sehr schade ist, da der Ausblick vom Ben More als einer der schönsten der Insel gilt. Aber gut, das Wetter können wir nicht ändern. Somit machten wir das Beste aus der Sache und legten eine lange Pause ein.

Auf dem Gipfel des Ben More ist alles voller kleiner Steine, welche, als Erinnerung, von einigen Wanderern als kleine Haufen aufgeschüttet wurden. In einem, aus Stein gebauten, Rondell ließen wir unsere Rucksäcke fallen und stießen auf die erfolgreiche Besteigung an. Ein Foto im Celtic T-Shirt durfte natürlich nicht fehlen, obwohl es wirklich sehr kalt war. Dementsprechend habe ich auch gedrängt, dass das Foto endlich gemacht wird und ich mich wieder warm anziehen konnte.

benmore isle of mull
Ein kleines Statement musste sein 😉
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Das Gipfelbier durfte natürlich nicht fehlen.

Warscheinlich wussten die Einheimischen (oder auch die anderen Touristen) von der schlechten Wetterlage auf dem Gipfel. Anders kann ich es mir eigentlich nicht erklären, dass wir so gut wie keine anderen Wanderer auf unserem Weg getroffen haben. Der Ben More ist für seine Verhältnisse ein berühmter Anlaufpunkt für Touristen auf der Isle of Mull, welcher an anderen Tagen vermutlich mehr Besuch haben dürfte.

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Kleine Steinhaufen zeugen von weiteren Wanderern auf dem Ben More.

Wir machten uns langsam wieder an den Abstieg. Dabei muss man ab dem Moorgebiet eigentlich nur dem kleinen Fluss folgen, welcher ins Tal fließt. Von dort hatten wir dann auch wieder freie Sicht und schöneres Wetter.

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Ein kleiner Bach folgte uns auf unserem Weg nach unten.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft, übrigens das wunderschöne Glenforsa Holz-Hotel, hielten wir noch in der Nähe des kleinen Örtchens Salen um Fotos von berühmten Schiffwracks zu machen. Diese Wracks liegen im Sound of Mull, eine Meeresenge, welche die Isle of Mull vom schottischen Festland trennt.

Auf dem Schiff haben wir eine Menge Fotos gemacht und Spaß gehabt 🙂

 

benmore isle of mull
Volle Kraft voraus!
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Schiffwracks im Sound of Mull.

Fazit zur Wanderung auf den Ben More

Der Ben More ist ein tolles Ausflugsziel, falls du mal auf der Isle of Mull sein solltest. Wer gern wandert ist auf dem höchsten Berg der Insel gut aufgehoben. Die Wanderung an sich ist nicht sonderlich schwer. Ein bisschen Kondition ist jedoch von Vorteil. Mit einem Parkplatz gleich am Startpunkt, einer beeindruckenden Natur und sogar einer Übernachtungsmöglichkeit bietet der Ben More alles, was es für eine tolle Wanderung braucht.

Könnt ihr noch Wanderziele empfehlen oder seid ihr selbst schon auf dem Ben More gewesen? Lasst es mich wissen. Ich freue mich auf eure Kommentare.

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