„Die Mauer“ direkt durch ein Dorf? Familien die über Nacht getrennt wurden? Freunde die gestern noch zusammen ein Bier getrunken haben und sich dann Jahre lang nicht mehr sehen konnten? Gibt es nicht? Gibt es doch! Die Rede ist vom geteilten Dorf Mödlareuth genau an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern und dadurch auch geteilt durch DDR und BRD. Jetzt erinnert ein Museum an die vergangenen Tage. Was es dort zu sehen gibt, erfahrt ihr jetzt. Viel Spaß!


 

Mödlareuth – Das geteilte Dorf

Das DDR Museum im geteilten Dorf Mödlareuth!
Das DDR Museum im geteilten Dorf Mödlareuth.

Die erste urkundliche Erwähnung erhielt Mödlareuth 1289. Schon im 16. Jahrhundert diente der Tannbach, welcher direkt durch das Dorf fließt, als Grenze zwischen der Markgrafschaft Bayreuth und der Grafschaft Reuß-Schleiz. Die Bewohner des kleinen Ortes störten sich kaum bis gar nicht an der Grenze. Das sollte sich ab 1945 schlagartig ändern.

Der thüringische Teil Mödlareuth´s gehörte von nun an zur sowjetischen, der bayrische hingegen zur amerikanischen Besatzungszone. Als 1949 die Grundgesetze der DDR und BRD verabschiedet wurde, war eine Fahrt auf die andere Dorfseite nur noch mit Passierschein möglich.

Das DDR Museum im geteilten Dorf Mödlareuth!
Der Grenzverlauf ist sehr gut ersichtlich.

1952 begann die DDR die innerdeutsche Grenze mit Sperranlagen zu versehen, um die Flucht ihrer Bürger in die Bundesrepublik zu verhindern. Mödlareuth lag von nun an im „Schutzstreifen“, welcher von Bundesbürgern bis 1989 gar nicht und von DDR Bürgern nur noch mit besonderer Genehmigung betreten werden konnte.
Bürger, welche laut DDR Führung „unzuverlässig“ waren, wurden zwangsumgesiedelt und die „Obere Mühle“ von Mödlareuth kurzerhand abgerissen, nachdem einigen Bewohnern dort noch die Flucht in das nur einen Schritt entfernte Bayern gelang.

1952 wurde auf DDR Seite ein mannshoher Bretterzaun gebaut, 1958 wurde dieser durch Stacheldraht ersetzt, bevor im Jahr 1966 eine Betonmauer, ähnlich der „Berliner Mauer“, errichtet wurde. Dadurch erhielt das Dorf den Spitznamen „Klein-Berlin“.
Als 1973 einem DDR Bürger an der „unteren Mühle“ die Flucht gelang, wurde diese ebenfalls abgerissen und die Grenzanlage durch Mödlareuth durch Selbstschussanlagen erweitert. Diese hatten bis 1983 bestand.

Im "deutsch-deutschen Museum" wurde die Grenzanlage zur Besichtigung nachgebaut.
Im „deutsch-deutschen Museum“ wurde die Grenzanlage zur Besichtigung nachgebaut.

Nach der politischen Wende 1989 erhöhten die Mödlareuther Bürger den Druck und erreichten einen offen Grenzübergang für Fußgänger, welcher am 09.12.1989 eröffnet wurde.

Am 17. Juni 1990 wurde die Mauer in Mödlareuth abgerissen. Einen kleinen Teil ließ man als Mahnmal stehen. Daraufhin entstand 1994 das „deutsch-deutsche Museum“.

Das „deutsch-deutsche Museum“ in Mödlareuth

 

Das Freilichtmuseum in Mödlareuth zeigt auf, wie gesichert die innerdeutsche Grenze damals war.
Das Freilichtmuseum in Mödlareuth zeigt auf, wie gesichert die innerdeutsche Grenze damals war.

Das Freilichtmuseum in Mödlareuth hatte im Jahr 2015 über 90.000 Besucher. Das sind 1800 Mal mehr Besucher, als das Dorf Einwohner hat. Verrückt oder?
Das Museum zeigt einen originalen Teil der Mauer. Der restliche Teil der Grenzanlage wurde zu Anschauungszwecken nachgebaut. Exemplarisch sind auch einige Möglichkeiten der Grenzabwehr ausgestellt. Ich fand es sehr bedrückend, mit welchen Methoden man die Leute daran hindern wollte, die Grenze nach West-Deutschland zu überqueren.

Eine von mehreren Arten der Grenzabwehr.
Eine von mehreren Arten der Grenzabwehr.

Toll fand ich, dass die vielen Wachtürme und Bunker begehbar waren. Somit konnte man sich ein Bild davon machen, wie die Sicht auf so einem Wachturm ist und wie stickig es in einem kleinen Bunker werden kann.

Hoch oben auf dem Wachturm in Mödlareuth
Hoch oben auf dem Wachturm in Mödlareuth.
Auch der kleine Mann hatte seinen Spaß.
Auch Opa und der kleine Räuber konnten die Bunker erkunden.

Bis zu einem Alter von  6 Jahren ist der Eintritt frei. Erwachsene zahlen 3 Euro pro Person. Ein fairer Preis, wenn man sich überlegt, dass zusätzlich noch der Eintritt zum Kino, wo eine kleine Dokumentation über den Ort läuft, enthalten ist.

Nach knapp zwei Stunden hat man sich alles in Ruhe angeschaut und kann gemütlich in die kleine Gaststätte neben dem Museum einkehren. Dort gibt es selbstgebackenen Kuchen und ein kleines, aber feines, Speiseangebot. Für die Kleinen gibt es einen Spielplatz, so dass Mama und Papa in Ruhe essen können, während sich die Kids auf dem Spielplatz austoben.

Die Gaststätte "Zum Grenzgänger" in Mödlareuth
Die Gaststätte „Zum Grenzgänger“ in Mödlareuth
Die Gaststätte "Zum Grenzgänger" in Mödlareuth bietet auch für die Kleinen Spiel und Spaß!
Die Gaststätte „Zum Grenzgänger“ in Mödlareuth bietet auch für die Kleinen Spiel und Spaß!

Fazit zum geteilten Dorf Mödlareuth

Mit einer ca. 3 stündigen Autofahrt erreicht man von meiner Heimatstadt das geteilte Dorf Mödlareuth. Wenn man, wie wir, noch einen Abstecher über Tschechien macht und in einen der vielen schönen Gaststätten zu Mittag isst. Allein um sich das Museum anzuschauen, wäre mir beim nächsten Mal der Weg zu weit. Kannst du den Besuch aber mit einer anderen Unternehmung in der Region verbinden, oder fährst du mal in der Nähe vorbei, dann kannst du dir ruhigen Gewissens das Museum anschauen (insofern du dich ein wenig für die deutsche Geschichte zwischen 1945 und 1989 interessierst). Die kleine Gaststätte neben dem Dorfteich lädt zum verweilen ein und ist ein toller Abschluss, wenn der Kopf voll und der Magen leer ist 😉

Wie oben schon geschrieben, ist es Geschichte zum „anfassen“, bzw. „begehen“. Das macht das Ganze interessant und verdeutlicht nochmals wie die Grenze damals gesichert war und welches Leid sie über getrennte Familien, Freunde und Bekannte gebracht hat. Ich finde es toll, dass mit diesem „Mahnmal“ die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erinnert wird. Ich kann einen Besuch voll und ganz empfehlen!

Viel Spaß auf eurer nächsten Reise!

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Tom
Hi, ich bin Tom! Begeisterter Hobbyfotograf. Bisher viel in Nordeuropa und in Deutschland unterwegs gewesen. Schottland Liebhaber und Wanderfreund. Kann sich nicht zwischen Bergen und dem Meer entscheiden und mag daher beides ;-)

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