Im Januar nach Schottland… ich hatte das Gefühl, mir immer die angenehmsten Jahreszeiten für einen Kurzurlaub rauszusuchen. Nichts desto trotz haben wir uns voller Vorfreude wieder auf den altbekannten Weg nach Berlin Schönefeld gemacht. Diesmal ging es jedoch nicht, wie sonst immer, nach Glasgow, sondern in die Hauptstadt Schottland´s: Edinburgh.


Von Edinburgh nach Inverness

Mit knapp 500.000 Einwohner ist Edinburgh nach Glasgow die zweitgrößte Stadt Schottland´s. Sie liegt südlich des „firth of forth“ Meeresarms, welchen man bei einer Zugfahrt in die Highland´s überquert (dazu später mehr). Nach London ist Edinburgh die am meisten touristisch besuchte Stadt Großbritanniens und wurde 1995 von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen. In Edinburgh angekommen, herrscht im Grunde das gleiche Prinzip wie in Glasgow. Mit dem AirLink Shuttle ging es binnen 30 Minuten von Edinburgh Airport in die City. Von dort war es nochmal ein kleiner Fußweg, bis wir unser Bed&Breakfast erreichten.

Das Regent Guest House in Edinburgh liegt zentrumsnah in einer Seitenstraße.
Das Regent Guest House in Edinburgh liegt zentrumsnah in einer Seitenstraße.

Dort hatten wir nicht allzu viel Zeit. Als erster Programmpunkt unserer Tour, sollte der Besuch des Stadtderbys zwischen „Hibernian Edinburgh“ und den „Hearts of Midlothian“ angegangen werden. Nachdem wir mehr oder weniger planlos versuchten zum Stadion zu kommen, haben wir uns eines der vielen Taxen zu Hilfe gerufen. In Schottland sitzt, anders als in Deutschland, kein Fahrgast vorne neben dem Fahrer. Der Bereich zum Fahrer ist auch nochmal mit einer Plexiglasscheibe getrennt. Außerdem muss man mit permanenter Videoüberwachung klar kommen.

Edinburgh und Glasgow hatten früher sehr viele Probleme mit Gewalt und übermäßigen Alkoholkonsum. Das hat man zum Glück in den Griff bekommen, die Nachwirkungen spürt man aber immer noch.

Derby in Edinburgh – leider nicht für uns

Das Stadion der Hibs liegt mitten in der Stadt. Toll!
Das Stadion der Hibs liegt mitten in der Stadt. Toll!

Nach der wahnsinnig langen Taxifahrt von 300 Metern (ja, man biegt um eine Häuserecke und steht auf einmal vor einem Fußballstadion), fanden wir uns schon in mitten Fans der „hibs“, wie sich die Anhänger von „Hibernian Edinburgh“ bezeichnen, wieder. Also ging es motiviert und voller Spannung zum Ticketschalter. Dann die große Ernüchterung. Hochsicherheitsspiel, keine Chance, ohne Vereinsmitglied zu sein, bzw. ein Vereinsmitglied zu kennen, welches für einen bürgt, rein zu kommen. Leider ließ die gute Dame am Schalter auch nicht mit sich reden, auch wenn es ihr sichtlich leid tat. Sahen wir nun nicht unbedingt wie gewaltbereite Fußballfans aus.

Nun musste schnell eine Alternative her. Glücklicherweise gibt es ja an jeder Ecke ein Pub, in dem auch Sport übertragen wird. Somit konnten wir das Spiel doch noch sehen, wenn auch nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Nun ließen wir den Abend gemütlich ausklingen, denn am nächsten Morgen sollte es zeitig los gehen. Die Zugfahrt nach Inverness stand auf dem Plan.

Mit dem Zug nach Inverness – auf in die Highlands!

Früh am Morgen war der Bahnhof in Edinburgh noch relativ leer.
Früh am Morgen war der Bahnhof in Edinburgh noch relativ leer.

Das berühmte schottische Frühstück musste leider ausfallen, da unser Zug schon um halb neun morgens vom Hauptbahnhof starten sollte.

Da ich die Ticket´s über die Internetseite von „theTrainline“ schon zeitig gebucht hatte, kamen wir sehr günstig nach Inverness. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dich einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Schottland bewegen kannst. Die Fahrt dauert immerhin gute drei Stunden. Im Endeffekt haben wir pro Person und Fahrt gerade einmal 11 Pfund bezahlt. Sitzplatzreservierung inklusive. Sehr viel günstiger kommt man nicht in die Highlands.

Da in Schottland das Trinken von Alkohol an öffentlichen Plätzen untersagt ist, waren wir uns nicht ganz sicher ob sich unsere mitgenomme „Marschverpflegung“ denn überhaupt gelohnt hat. Da neben uns eine Reisegruppe rüstiger Damen sich ihre Fahrt mit etwas Sekt verschönerte, kamen uns langsam Zweifel, ob das Alkoholverbot auch in Zügen gilt. Nachdem ich mich eine gefühlte Ewigkeit durch die AGB´s von „ScotRail“ gekämpft hatte, waren wir wieder um eine Erfahrung reicher. In Zügen von „ScotRail“ ist das Trinken von leichten alkoholischen Getränken ab 10:00 Uhr erlaubt. Bildungslücke geschlossen 😉

Die Fahrt nach Inverness führt in Edinburgh über den Meeresarm “ firth of forth“. Als ob das nicht schon beeindruckend genug wäre, ging es weiter durch den Cairngorms Nationalpark, über ein Hochplateau (inklusive Schnee) und dann wieder ein Stück runter, um direkt in Inverness einzubiegen.

Das Hochplateau im Cairngorms Nationalpark. Im Winter ist dort ein sehr beliebtes Skigebiet.
Das Hochplateau im Cairngorms Nationalpark. Im Winter ist dort ein sehr beliebtes Skigebiet.

Willkommen in den Highland´s

Inverness ist die Hauptstadt des Regierungsbezirkes „Highland“ und darf sich, mit einer Einwohnerzahl von ca. 48.000 Menschen, als einzige Stadt dieses Bezirkes mit dem Titel „city“ schmücken. Wenige Kilometer östlich von Inverness liegt das „culloden battlefield“, auf dem die Jakobiten unter Führung von Bonnie Prince Charlie 1746 eine verheerende Niederlage gegen die britischen Regierungstruppen einstecken mussten.

Der Bahnhof in Inverness.
Der Bahnhof in Inverness.

In Inverness angekommen, brauchten wir nicht sehr lange, um uns zu orientieren. Da unser Bed&Breakfast genau am Fluss „Ness“ lag, mussten wir einfach nur Ausschau nach dem Fluss halten.
Auf dem Foto ist unsere Unterkunft leider von einem Baum verdeckt. Ich denke ihr könnt euch trotzdem vorstellen, wie toll es war, genau am Fluss zu übernachten (übrigens mit Blick auf das geschichtsträchtige Inverness Castle).

Der "Ness Walk" in Inverness.
Der „Ness Walk“ in Inverness.

Den ersten Zwischtenstop auf unserem Weg zur Unterkunft legten wir im „Gellions“ ein. Das Pub ist, laut eigener Aussage, das älteste in Inverness und öffnete seine Pforten schon 1841.

Das "Gellions" ist das älteste Pub in Inverness. Es öffnete 1841.
Das „Gellions“ ist das älteste Pub in Inverness. Es öffnete 1841.

Wir erkunden Inverness

Nachdem wir unser Quartier bezogen hatten, machten wir uns auf den Weg, um Inverness ein wenig zu erkunden. Dabei landeten wir unweigerlich am „Inverness Castle“. Wer „MacBeth“ gelesen, oder auf Wikipedia nachgeschaut hat ;-), weiß was sich an diesem Ort abspielte. Hier ermordete MacBeth seinen Cousin Duncan I. Zwar wurde das alte Gebäude zerstört, „Inverness Castle“ wurde im 19. Jahrhundert aber ungefähr an gleicher Stelle errichtet.

Das Inverness Castle thront über der Stadt.
Das Inverness Castle thront über der Stadt.

Gleich neben dem Schloss liegt die „Castle Tavern“ und dazu ein ernstgemeinter Ratschlag: Wer einmal in Inverness ist, muss unbedingt in diese Gastwirtschaft einkehren. Die „Castle Tavern“ ist klein, aber so urig und gemütlich, dass man sich wünscht, hier jedes Essen und jedes Getränk einnehmen zu können.

Die Castle Tavern in Inverness.
Die Castle Tavern in Inverness.

Auf dem Rückweg konnte ich dann auch die Erfahrung machen, dass es durchaus möglich ist, dass Regen auch waagerecht vom Himmel kommen kann und gefühlsmäßig nie den Boden berührt… Typisch schottisch möchte man meinen und genauso kam es auch rüber. Temperaturen um die 4 Grad, Wind und Regen. Typischer hätte es nicht sein können. Den Abend ließen wir noch in dem vorhin schon erwähnten Pub „Gellions“, bei Live Musik, ausklingen. Früh ging es mit dem Zug zurück nach Edinburgh.

Zurück nach Edinburgh – Whisky und andere Freuden

Das Whisky Museum in Edinburgh
Das Whisky Museum in Edinburgh

Zurück in Edinburgh wollten wir noch ein paar touristische Highlights mitnehmen. Da es unser erster Besuch in der Hauptstadt Schottland´s war, konzentrierten wir uns auf die „berühmten“ Sehenswürdigkeiten. Unser Weg führte uns zur Royal Mile, hinauf in Richtung Edinbrugh Castle.
Kurz vor der Burg liegt linker Hand das Schottische Whisky Museum mit einer beeindruckenden Sammlung von über 3500 Flaschen. Gesammelt wurden diese von einem Brasilianer, welcher nach 35 Jahren des Sammelns der Meinung war, dass die Flaschen in der Heimat des Whisky besser aufgehoben sind. Auf jeden Fall eine beeindruckende Sammlung von unglaublich vielen verschiedenen Whiskyflaschen.
Wir buchten die einfache Tour. Zu Beginn fährt man in einem halboffenen Whiskyfass durch die Führung (sehr cool gemacht!) und erfährt etwas über die grundlegende Herstellung des „Wasser des Lebens“. Danach geht die Führung durch den Raum der Sammlung. Zum Abschluss gibt es noch einen „Dram“ zum kosten. Das Glas kann man behalten. Wenn man in Edinburgh ist, kann man sich das Museum auf alle Fälle einmal anschauen. Zweimal muss man, meiner Meinung nach, aber nicht dagewesen sein.

Die Whisky Sammlung in Edinburgh.
Die Whisky Sammlung in Edinburgh ist einfach beeindruckend!

Vor dem Edinburgh Castle machten wir nur ein paar Fotos. Zu groß war uns der Ansturm der Touristen, als dass wir Lust gehabt hätten, uns ins Innere zu begeben. Vielleicht beim nächsten Mal. Jetzt stand erstmal der Hunger im Vordergrund.

Auf der Royal Mile gibt es wundervoll gestaltete Pubs und dementsprechend gutes Essen. Da kann man im Grunde nicht viel verkehrt machen. Die Preise für Essen liegen im Schnitt bei 8-12 Pfund. Sollte eine Gastwirtschaft diese Preise um ein vielfaches übersteigen, bist du entweder in einem Nobelrestaurant oder einer Touristenabzocke gelandet 😉

Der Burger war einfach perfekt. Einer der besten den ich bisher in Schottland gegessen habe.
Der Burger war einfach perfekt. Einer der besten den ich bisher in Schottland gegessen habe.

Der Abend in Edinburgh – wir wurden beklaut!

Wir trödelten noch ein wenig in der Altstadt von Edinburgh und testeten das ein oder andere Pub bevor wir uns in Richtung unserer Unterkunft aufmachten. Dabei stand uns die lustigste Begegnung erst noch bevor.

Kurz vor unserem B&B lag das „Bennets“. Ein, von außen, sehr unscheinbares Pub. Für ein Abschlussbierchen wollten wir dennoch reinschauen. Im Inneren kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Alles wirkte sehr edel und irgendwie fühlten wir uns eher wie in einem „Gentlementsclub“ als in einem Pub.

Von außen wirkt das Bennets eher schlicht. Ganz im Gegenteil zum Inneren.
Von außen wirkt das Bennets eher schlicht. Ganz im Gegenteil zum Inneren.

Wir nahmen an einem freien Tisch Platz und bestellten unser Bier, welches auch innerhalb von kurzer Zeit kam. Da man in Schottland nicht in Pub´s rauchen darf, gingen wir vor die Tür, in dem guten Glauben, dass man uns in dieser Lokalität schon nicht beklauen würde.

Als wir wieder rein kamen, war unser Bier weg!

Ich ging zur Bar und versuchte der Bedienung unser Problem zu erklären. Irgendwie hat sie mich aber nicht verstanden. Schon leicht angefressen wollte ich zu unserem Platz zurück, bis mich ein älterer Mann antippte und auf unseren Nebentisch zeigte.

Dort saß eine Gruppe älterer Frauen die sich schlapp lachten. Hatten die rüstigen Damen sich doch tatsächlich den Spaß erlaubt und unser Bier versteckt! 😀 Wir fanden die Aktion sehr lustig und waren mal wieder von der schottischen Bevölkerung begeistert. Humor muss schließlich auch sein.

Am nächsten Tag ging es für uns wieder nach Hause.


Fazit

Edinburgh und Inverness sind tolle Städte! Leider kann man sich in den 4 Tagen nur einen Bruchteil ansehen. Der Trip sollte zum Kennenlernen dienen und er hat damit seinen Zweck vollkommen erfüllt. Beide Städte möchte ich mir bei Gelegenheit nochmal näher anschauen. Vor allem Inverness und die angrenzenden Ziele reizen mich. Aber auch in Edinburgh gibt es noch eine Menge zu erleben. Mal sehen wann es mich wieder in diese Ecke verschlägt. Der krönende Abschluss war am Ende natürlich die Aktion der Damen im Bennet´s! Super Humorvoll 🙂

Habt ihr schonmal tolle Begnungen mit den Schotten gehabt? Schreibt es doch mal in die Kommentare.

Bis dahin!

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Tom
Schon früh bin ich durch meine Eltern auf das Reisen gekommen. Bis jetzt hat es mich meistens in den Norden Europas oder nach Großbritannien gezogen. Aber: Der Weg ist das Ziel. Somit bin ich immer für neue Länder aufgeschlossen und werde sehen, wohin der Weg führt.

5 Kommentare

  1. Schottland!
    Nach wie vor ein echter Traum von mir. Allerdings nur Highlands und die Inseln drum herum. Vor allem Skye.

    Ich glaube, spätestens 2018 packe ich das an. Und der Humor dort scheint derselbe wie in Irland zu sein ;o)

    Danke für Deinen Bericht. Ich liebe Reiseinfos über Schottland.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Hallo Sandra,

      das mit dem Humor kann ich nur bestätigen. Ich habe bisher nur gute Erfahrungen in Schottland gemacht. Ein sehr entspanntes „Völlkchen“ 😉
      Glasgow habe ich auch erstmal über. Das nächste Mal möchte ich lieber wieder mehr in die Natur und die kleinen Städte. Ich habe 2014 eine Wanderreise durch Schottland gemacht. Einfach wundervoll. Die Highlands sind sowieso eine Klasse für sich, obwohl ich im Juni, als ich im Bezirk Ayrshire, südwestlich von Glasgow, unterwegs war, von der Küstenregion auch sehr angetan war.
      Es hat halt alles seine Vorzüge 🙂

      Vielen Dank für dein Feedback!
      Liebe Grüße
      Tom

    • Hallo Christian,

      cool, was habt ihr für eine Route genommen? Auf der Isle of Mull war ich auch schon wandern. Dort ist es auch sehr schön. Ich muss schon zugeben, dass ich mein Herz an dieses Land verloren habe 😉

      Liebe Grüße
      Tom

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